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Isla Oyarvide
Magellan – Die Welt ist keine Scheibe

In ihrem neuesten künstlerischen Oeuvre begleitet Ursula Heindl Magellan auf seiner Weltumrundung, die von der Vorbereitung 1517 bis zur Vollendung 1522 dauerte. Magellan–die Welt ist keine Scheibe nennt sie diese Arbeiten. Als Hintergrundinformation: das ist die Zeit von Martin Luthers Thesen, die Zeit in der Raphael, Ttzian und Dürer malten, in München die Pest wütete, die Reiche der Azteken und Maya entdeckt und zerstört wurden, und die katholische Kirche die Meinung einer flachen Erde als Scheibe vertritt. Schon allein die Grenze der bekannten Welt zu verlassen und über den Horizont zu segeln war unvorstellbar, denn das Unbekannte war der Ozean der Finsternis, die Schiffe würden verbrennen und man würde in das Reich Satans gelangen. Da kam Magellan, er wagte das Unvorstellbare und segelte ins Unbekannte, in eine neue Welt. Ursula Heindl folgt Magellan und wir folgen ihr auf seinen Spuren in ihren Bildern Agana, Puerto Piramides, Galpone, oder San Clemente.

 
 
Wovon Bilder träumen
Die Malerei im Kleinstformat treibt entfesselten Größenwahn in den heiligen Hallen der Kunst
Bilder stellen sich eitel zur Schau: Im Reina Sofia in Madrid, in der Tate Modern, in den Deichtorhallen, im Guggenheim,... Überall, wo die Moderne zu Hause ist, da wollen sie hängen, sich der Kritik aussetzen oder den Kunstsinnigen erfreuen. Sie wollen in öffentlich sichtbaren Räumen ausgestellt und in white cubes von kunstinteressierten Menschen betrachtet werden. Oft fotografiert sie jemand, manchmal stehen Leute vor ihnen und versinken in Gedanken – nur auf der Durchreise, einen kurzen Moment – einen Augenblick lang. Davon träumen die Bilder.
 
 
Kulturdenkstätten
ist ein Wort, das von Ursula Heindl ganz bewusst für ihre Ausstellung gewählt wurde. Das Wort steht nicht im Duden, es ist zusammengesetzt aus den Begriffen Kulturdenkmal und Gedenkstätten. Beides sind besondere Orte, zumeist Orte der Kontemplation, oftmals geweiht und sogar heilig; es kann sein, dass sie belagert und mit Blut erkämpft wurden, oder dass es Orte sind, die ihren genius loci nur durch eines ausdrücken – Stille.
Einige von Ursula Heindls Bilder tragen die Namen solcher Kulturdenkstätten:
Bilod Lalibela
Lalibela, das sogenannte 'äthiopische Jerusalem' wo auf 2500 Metern im 12. und 13. Jhdt. Wallfahrtskirchen gebaut wurden.
  Bild Sanchi
Sanchi heißt der Ort in Zentralindien, an dem mehrere der ältesten Stupas stehen.
 
Bild Palitana
Palitana ist eine stadtartige Tempelanlage der Jains, einer Religionsgemeinschaft in Gujarat, Indien.
  Bild Samarra
Samarra im heutigen Irak könnte die erste frühislamische Moschee sein und ist auch als 'Tempel Abrahams' bekannt.
Ohne an diese konkreten Orte zu denken, ohne sie sich in Gedanken 'auszumalen', malt Ursula Heindl ihre Bilder. Erst wenn sie fertig sind, werden die Arbeiten getauft; oftmals erst Monate später und der Konnex zu den geografischen Orten beruht dabei auf Ursula Heindls Intuition, basierend auf einen Zustand oder ein Gefühl, wie man an diesen besonderen Orten empfinden könnte. Dabei handelt es sich nicht immer nur um subtile Gefühle, manchmal sind es auch Wut und Zorn, welche die Verbindung von ihrer Malerei zum geographischen Ort darstellen. Das Spektrum ihrer Motivationen ist groß, so wie das Farbspektrum.

Innerhalb des Farbspektrums hat sich Ursula Heindl – genau so wie ein Wissenschaftler, der ja auch nicht in alle Richtungen forscht – auf die Farbe Rot spezialisiert. Nicht umsonst hat sie diese Farbe gewählt, denn Rot hat in der Natur oftmals eine Signalfunktion, ist die Lieblingsfarbe der meisten Kinder und hat in fast allen Kulturen eine ganz spezielle Bedeutungen (z. B. Blut, Reichtum, Freude, Leben, Geburt, etc.). Unter Verwendung aller Schattierungen von Rot liegt Ursula Heindls Fokus auf der Kraft der Natur, des Wassers, der Berge und der Wolken am Himmel. Mit großem Respekt, einer tiefen Liebe zur Natur und zum Licht sowie zur Farbe, sieht sie ihre Malerei als Gleichnis für diese Natur und damit als Wechsel und Wandel der natürlichen Kräfte und Energien. In Ursula Heindls Malerei wird die Natur als lebendiger Prozess dargestellt, dementsprechend sind manche ihrer Bilder dramatisch, während andere in sich ruhen und viele vereinen beide Elemente. Ihre Hauptmerkmale sind die Stärke und Ausdruckskraft der Farbe, die spannende Perspektive und der weitläufige Blick in die Ferne.
Bild Vezelay
Vézelay ist ein Wallfahrtsheiligtum in Frankreich, dessen Klosterkirche Ausgangspunkt des 3. Kreuzzugs von Richard Löwenherz war.
  Bild Saiho-ji
Saiho-ji, der für seinen Moosgarten berühmte buddhistische Tempel in Kyoto, Japan.
 
Bild Borobudur
Borobudur, ein buddhistischer Tempel in Java, Indonesien.
  Bild Durham
Durham, dessen Kathedrale als das großartigste Monument normannischer Architektur in England gilt.
 
Bild Chan Chan Chan Chan, die 28 km2 große Lehmhauptstadt des Chimú-Reiches an der peruanischen Pazifikküste gelegen.   Painting Exhibition St. Peter an der Sperr
Abomey im heutigen Benin mit Königspalästen der lokalen Herrscher und Sklavenhändler.

St. Peter an der Sperr in Wiener Neustadt wurde im 14. Jahrhundert errichtet und im 18. Jahrhundert profaniert, was aber sakral blieb, ist die Architektur. Somit ist diese 'Kirche' ein idealer Ausstellungsort als Kulturdenkstätte für Ursula Heindls Bilder.
Pressetext: Carmen CH Petrosian-Husa

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Mit großem Respekt, einer tiefen Liebe zur Natur und zum Licht sowie zur Farbe, sehe ich meine Malerei als Gleichnis für Natur. Als Wechsel und Wandel der natürlichen Kräfte und Energien - Natur als lebendiger Prozess. Nun bin ich nicht ein Landschaftsmaler, der mit seiner Staffelei nach der Natur malt - vielmehr erfinde ich selbst die Landschaft.

Unter Verwendung aller Schattierungen von Rot liegt der Fokus auf der Stärke der Natur - die Kraft von Wasser, von Bergen und Wolken am Himmel. Naturkatastrophen, Wetterkapriolen oder das Auftauchen und Verschwinden von Inseln machen diese überwältigende Kraft der Elemente bewusst. Die Urgewalt der Natur beeindruckt, fasziniert und schockiert mich gleichzeitig.

Manche meiner Bilder sind dramatisch, einige bleiben ruhig - viele vereinen beides. Hauptmerkmale sind die Stärke und Ausdruckskraft der Farbe, die spannende Perspektive, der weitläufige Blick in die Ferne. Die Dynamik der kraftvollen Landschaft stellt die Natur in den Mittelpunkt. Die Spannung einer bewusst farbkräftigen Szenerie verlangt nach Klärung in Form und Farbe gemäß der Natur.

Die Titel meiner Bilder finde ich auf Landkarten. Es sind Ortsnamen - ich reise virtuell. Dabei vollziehe ich manchmal legendäre Reisen nach. Stets auf der Suche nach barocker Dramatik lande ich am Meer, im Gebirge, auf kleinen Inseln oder großen Kontinenten.
Ursula Heindl
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Die Wiener Künstlerin Ursula Heindl versteht ihre abstrakte Malerei als "Forschungsreise" in das Mittel der Farbe selbst. Rot, das neben Grün im Zentrum ihrer Farbexpeditionen steht, setzt sie dabei in all seinen Tönen ein, von hell bis dunkel, innerlich bis expressiv, zart bis kraftvoll. Seit Anfang der 1990er Jahre hat sie sich zudem von der rechtwinkeligen Bildfläche distanziert, um sich der Ellipse als barocker und organischer Form zu widmen. Heindl's flammende rote "Wolkenbilder" verbinden die sinnliche Pinselführung der Künstlerin mit einem dynamischen Über- und Ineinanderschichten von Farbe, was der Oberfläche gleichzeitig plastische Tiefe und haptische Materialität verleiht. Die Gemälde erinnern an die irdischen Elemente und Naturgewalten ebenso wie an sakrale Bezüge zu Himmel oder Hölle. Durch die offene und frei im Raum flottierende Anbringung der Bilder im Innenraum oder im Freien, am Boden oder an der Wand nehmen sie zudem Bezug auf ihren Ort, in den sie sich einfügen, wo sie aber auch zum optischen Störfaktor werden könnnen. Dabei machen sie nicht nur die realen räumlichen Bedingungen bewusst, sondern erweitern auch die Imaginationsmöglichkeiten beim Betrachten.
Elisabeth Fritz
Katalog zur Ausstellung "stark bewölkt - flüchtige Erscheinungen des Himmels" im MUSA Museum auf Abruf
Kulturabteilung der Stadt Wien
2009 Springer Verlag

 

Ihre Malerei ist wie eine Forschungsreise in die Farbe. Sie arbeitet nach alter Technik - Öl auf Leinwand oder Holz unter Verwendung der Ellipse, die für sie ein organischer Ausgangspunkt ist und barock anmutet. Mit offensichtlicher Freude am Sinnlichen trägt sie die Farben mit ihrer ganz persönlichen Handschrift auf den Bildträger auf. Diese methodische Eigenheit ist ein Weg, Licht und Raum in destillierter Form zu zeigen. Die Botschaft ist die Malerei selbst.
Henriette Horny

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"... wenn sie nicht plastisch werden, sind sie mißlungen..."

Ob klassisches Tafelbild oder aktuelle Computerkunst, ja sogar der heiss geliebte Bildschirm - alle haben etwas gemeinsam: den Rechten Winkel. Als sich irgendwann im ausgehenden Mittelalter "die Bilder von den Wänden lösten", behielt man den Rechten Winkel, der ursprünglich eine Erfindung der Architekten (n. E. Friedell) war, bei. Er ist eine Art Nabelschnur zwischen Wandmalerei und Tafelbild. Er verbindet sämtliche Bildwerke mit der Architektur und ist Teil unseres Bewußtseins geworden. So sind auch der klassische Bilderrahmen und sämtliche Gestaltungsüberlegungen im malerisch- graphischen Bereich diesem Ordnungsprinzip unterworfen. Es gibt kaum ein Thema in der Kunst, welches die Lager so spaltete wie das rechtwinkelig begrenzte Tafelbild. Stigma oder Nimbus - das ist die Frage.

Ursula Heindl hat sich weitgehendst vom Rechten Winkel distanziert. Sie ist zu klug, um nicht zu wissen, dass auch ihre elliptischen Formate in einer alten Maltradition stehen. Doch mit den Meistern des Barock lässt sie sich auf keine Diskussionen ein. Sie geht weiter zurück, dabei begrüßt sie in ihrer höflichen Art Tizian, betrachtet aufmerksam sein "eingefangenes Licht" - der Meister schmunzelt -, und sie geht weiter, bis sie auf die Urmutter aller Maler trifft: die Wand. Felswände, Ziegelwände, Steinwände und "Heizhauswände" dienen ihr dabei als Transportmittel, aber nicht als Malgrund. Sie stiftet beim Betrachter Verwirrung in dem sie auf ihrer roten und grünen Palette Raum und Fläche sorgfältig vermischt bis schließlich mit präziser Hand, die eher die eines Chirurgen zu sein scheint, die Naht zwischen Bildanfang und Bildende durchtrennt wird. Würde man den stengsten Kritiker zu Rate ziehen, würde er sagen: Ursula Heindl malt nicht, sie modelliert - jetzt schmunzelt sie.
Stephan Fischer
zur Ausstellung "Malerei im Kontext Architektur" im Heizhaus Stammersdorf

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das elliptische gelb
das neueste sind die gelben die bilder nach den grünen und roten
die neben mir redet und ich forme alles um auf befehl zu verszeilen
sie befiehlt ich habe umzugestalten mit haltung meine liebe das mag ich
ihre ausfälle elliptischen sätze eiakulat ekel eklatant ekstase
eldorado elegant elektrische leitung elefant eselsbrücke das alles

die botschaft ist die malerei selbst (ein zitat) die botschaft ist die botschaft
die malerei die malerei das malen ist das malen
das nichtsprechen das nichtsprechen der pinsel in der luft der pinsel in der luft
die farbe kracht und krächzt lechzt und fummelt rudert und rodet
die luft lodert die wände schlucken der boden rattert die fenster wimmern

gibt es keine bilder die nach himbeeren riechen nach dotterblume nach minze
so fragt sie sich immer wieder die neben mir den aperto-katalog vor der nase
sie blättert im Dornseiff sie sag ellypse ellipse was ist richtig was wichtig
was lebensverändernd vorantreibend ins meta- oder paramaterielle
die suche das buch das schwitzen die not der kot das atemgeräusch

sie sagt alles was ihr zur kurve einfällt barock wie die peterskirche
gewunden wie ein windling gewellt wie die haare von beatrice
verbogen wie der zeigefinger romantisch wie möglicherweise die heutige nacht
wogend wie die träume verschlungen die wege wurmförmig wie der blinddarm
das ist der ernst der synonyme wieder zwei ypsilon es geht noch weiter

sie befiehlt auch etwas über die farbe schreiben bastfarben wie der morgen
gelblich wie das lachen golden wie die silbermünzen gülden wie der zauberstab
quittengelb wie die apfelsinen sand wie die haut im winter
weizengelb wie der erdrutsch maisgelb wie der koitus
mattgelb wie die wiedergeburt nach 37. Jahren im nacken gesottenes krebsrot

puterrot unter den brüsten ritzerot im nabel rosenrot auf der zunge
pfirsichrot in der nase kirschot unter dem knie knallrot auf den wangen
erdbeerrot in der arschfurche feuerrot in der gurgel glutrot im magendarmtrakt
blutrot in der leber punischrot in der galle pompejanischrot im after
tomatenrot in der lunge granatrot im herzen mit allen schmerzen

sie seufzt sproßgrün wie die runde kugel sie kichert grasgrün wie die nachtarbeit
blaßgrün wie die nacktschnecke erbsengrün wie das fette wurst
schilfgrün wie das vergebliche bemühen tiefgrün wie die sünde
giftgrün wie die krankheit olivengrün wie die lüge flaschengrün wie jedes tun
taschengrün wie das nimmerwiedersehn froschgrün wie die auffahrt zu den sternen

sie schweigt und blättert und lacht ich darf nicht schreiben was sie tut
ich mir denke soll ich schreiben was alles was ich schreibe ist unsichtbar
wo sind die blauen bilder das denke ich nicht nicht einmal im schlaf
ich denke aber an den geruch der farbe den ich nicht rieche nichts rieche ich
nur die erinnerung an vage aggregatzustände der bewegung

ich rieche das quatschen der speisen das rieseln der gardinen
das fluten der sicherungen das quellen des hauses das ausbrechen der busse
das perlen der kanäle das gurgeln der platanen das glucksen der rosensträucher
das duften der hoffnung die die luft mit farbe schwängert und stäubend
eine atmosphäre zeugt eine spur eine witterung im dunstkreis der ellipse
Richtex
Wien, am 12.10.1996